Verfasst von: bejasa | Februar 1, 2011

Selbstreguliertes Lernen Blog Nr. 13

Selbstreguliertes Lernen  in der Schule – ein großes Thema, aber wie können wir diese Lernform in Unterricht einführen und  trainieren?

Ob die Schüler nun ein Lernjob, ein Wochenplan, ein Lernplan oder eine Projektarbeit bearbeiten sollen, sie müssen fähig sein, selbständig und eigenmotiviert zu arbeiten. In vielen Schulen werden solche Arbeiten zwar verlangt, aber die meisten Schüler sind nicht in der Lage, diese Aufgaben allein und ohne ständige Aufforderung seitens der Eltern zu lösen.

Thomas Götz definiert „selbstreguliertes Lernen“ folgendermaßen:

„Selbstreguliertes Lernen ist eine Form des Erwerbs von Wissen und Kompetenzen, bei der Lerner sich selbstständig und eigenmotiviert zu erreichende Ziele setzen sowie eigenständig Strategien auswählen, die zur Erreichung dieser Ziele führen und durch Bewertung von Erfolgen bezüglich der Reduzierung der Ist-Soll-Differenz Ziele und Aktivitäten im Hinblick auf eine Erreichung des Soll-Zustandes prozessbegleitend modifizieren und optimieren.“

(Götz, Th., Nett,U.: Selbstreguliertes Lernen. In T. Götz (Hrsg.), Emotion, Motivation und Selbstreguliertes Lernen. Stuttgart: UTB 2011)

Ein Lernender muss sich also erst einmal Ziele setzen, Strategien auswählen mit Hilfe derer er glaubt, diese Ziele zu erreichen und sich immer wieder beobachten, ob er noch auf dem richtigen Wege ist.  Wichtig ist hier die Eigenmotivation: Ohne Motivation wird sich ein Schüler keine Ziele setzen.  Und ohne Volition wird dieser seine Ziele nicht umsetzen.

  • Dies wäre also der erste Schritt: Die Lernenden für ein Fach oder ein Thema motivieren.  Dies hängt mit der Lehrerpersönlichkeit bzw. der Lehrer-Schüler-Interaktion, mit der Klassenzusammensetzung und den angewandten Methoden und Sozialformen zusammen.
  • Der zweite Schritt: Maßnahmen treffen, mit Hilfe derer die Motivation auch in Handlungen umgesetzt wird. (verbindliche Kriterien, Abgabetermine, Peer-Assessment).
  • Der dritte Schritt: Die Schüler ein Lerntagebuch führen lassen, in dem sie ihre Lernfortschritte dokumentieren.
  • vierter Schritt:  Eigenevaluation, Evaluation durch Peer-Assessment und Auswertung des Lernauftrages.

In einem zweiten Anlauf könnte man die Lernenden selbst Ziele setzen lassen und vielleicht zusammen mit ihnen ein Kriterienraster aufstellen. Thomas Götz kommt in seinem Buch zu dem Schluss, dass die schrittweise Förderung von Lernstrategien  im Unterricht selbst (Instructional Intervention) am effektivsten wäre.  Ein „Adjunt Approach“, d. h. den Lernenden ein Repertoire an Lernstrategien z. B. in einem Seminar zu vermitteln, würde meistens nicht nachhaltig wirken.

In dieser Graphik habe ich alle Kriterien zum selbstreguliertem Lernen als Mind Map zusammengefasst: (bitte anklicken!)

Oben links habe ich die Modelle von Boekaerts und Schmitz kurz vorgestellt.

Das Prozess-Modell von Schmitz gefällt mir gut, weil die einzelnen Aktionen aufeinander aufbauen: Zunächst sollte man abklären, ob die gegebene Situation geeignet ist, selbstreguliertes Lernen durchzuführen. Welche Räume, Materialien stehen zur Verfügung?  Sind die Lernenden motiviert? Welche Emotionen zum selbstregulierten Lernen herrschen vor? Gerade die Erwähnung der Emotionen finde ich sehr wichtig.  Es kann sein, dass die Mehrheit der Lernenden Versagensängste hinsichtlich eines Faches haben und dies bisher nur als langweilig erlebt haben.
Nach Abschluss einer Arbeit spielen die Emotionen auch eine große Rolle: Ist man stolz über seine Erfolge oder frustriert über den scheinbaren Misserfolg?

Prozessmodell Schmitz.pdf

 

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Responses

  1. Hallo Bettina
    Dass fünfzehnjährige SchülerInnen bei selbständigen Arbeiten mit den hohen Ansprüchen des “selbstregulierten Lernen” überfordert sein können, kann ich gut nachvollziehen. Gemäss der Definition bedeutet “selbstreguliertes Lernen” eigenmotivierte Ziele zu setzen, eigenständige Strategien zu wählen und den Lernprozess dabei noch zu überwachen und zu optimieren (Goetz). Diese Art zu lernen muss mühsam gelernt werden. Das ist ein nie endender Prozess, der selbständig durchgemacht werden muss. Selbstreguliertes Lernen muss gefördert und angeleitet werden. Eine Lehrperson kann nicht voraussetzen, dass die Lernenden erfolgreiche Strategien von sich aus entwickeln. “Es scheint viel Fremdorganisation nötig, damit Selbstorganisation angebahnt und erfolgreiche Selbststeuerung unterstützt werden können.” (Schulz, 1999, S. 16)
    Wie du richtig schreibst ist die beste Voraussetzung selbstreguliert zu lernen eine hohe Motivation zu entwickeln. Diese kann von der Lerhrperson, insbesondere in einer selbständigen Arbeit, massgeblich unterstützt werden. Hierzu müssen die Aufgaben “anschlussfähig” sein, den Lernenden viabel und relevant erscheinen.
    Simon


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